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Anja Blänsdorf schaute auf ihr Handy und traute ihren Augen nicht. Das Foto das sich öffnete, zugeschickt von einer Bürgerin, sah aus wie von einer Müllhalde für Baustoffe und Farbenreste. Dort war es aber nicht aufgenommen, wie die Rippenweierer Ortsvorsteherin gleich erkennen musste. Das Foto stammte aus einem Waldstück zwischen Ritschweier und Rittenweier. „Das regt mich auf“, schimpfte sie.

Im Odenwald ist also ein besonders rücksichtsloser Fall von wilder Müllablagerung geschehen, vermutlich übers Wochenende. Diesmal waren die Zeitgenossen sogar in mehrfacher Hinsicht rücksichtlos: Den Abfall musste jemand entfernen, der ihn nicht verursacht hat – wieder einmal der Weinheimer Bauhof. Die Rechnung wird der Stadt und damit dem Steuerzahler aufgebürdet. Und bis gestern war nicht sicher, ob auch Schadstoffe darunter waren. Möglicherweise wurde damit auch der Waldboden verunreinigt; auch wenn die Bauhofmitarbeiter nach einem schnellen Kontakt zwischen der Ortsvorsteherin Anja Blänsdorf und Bauhofleiter Kay Zimmer rasch vor Ort waren, um den Müll einzusammeln. Darunter Betonreste, Farben und Kanister mit – offenbar – Lösungs- der Reinigungsmittel. „Eine echte Sauerei“, schimpfte die Ortsvorsteherin.

Die Ablagerung von wildem Müll ist ein Thema, das zunehmend Probleme bereitet. Das Aufkommen von wildem ist in den vergangenen fünf Jahren in Weinheim etwa um ein Drittel angewachsen. Mittlerweile wird im Bauhof jede zweite Woche eine sieben Kubikmeter große Container-Mulde damit gefüllt. Im Jahr fallen dabei fast 200 Tonnen davon an, inklusive Abholung kostet die Entsorgung den Steuerzahler pro Jahr rund 70 000 Euro; ganz davon abgesehen, dass der Bauhof von anderen – wichtigen – Arbeiten abgehalten wird. Markus Schäfer, Leiter der Stadtreinigung, kann das Verhalten nicht verstehen: „Es ist doch so leicht und nicht teuer, seinen Sperrmüll oder Unrat über die AVR zu versorgen“, ärgert er sich, „das ist einfach nur Bequemlichkeit und Rücksichtslosigkeit“. Außerdem sind die Bauhofmitarbeiter in einem Dilemma: Lassen Sie den Müll liegen, um ein Exempel zu statuieren, beschweren sich die Anwohner. Räumen sie alles weg, dulden sie den Vorgang. Und sie müssen sogar fürchten, dass sie Nachahmer auf die Idee bringen, sich genauso zu verhalten.

Wer Angaben zu den Müllablagerungen im Wald bei Rittenweier machen kann, kann sich mit Anja Blänsdorf in Verbindung setzen unter rippenweier@weinheim.de.

Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 01. August 2023