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Mit einem Gottesdienst im Freien in Münster hat eine bundesweite Aktion für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche begonnen.
Unter dem Motto „Maria 2.0“ wollten die Initiatorinnen dafür sorgen, dass Frauen, aber auch Männer, eine Woche lang keine Kirche mehr betreten und keinen ehrenamtlichen Tätigkeiten mehr nachgehen.

„Maria 1.0“ steht für eine schweigende und dienende Frau, die der Machstruktur ihrer Vorgesetzten unterlegen ist.

„2.0 heißt Neuanfang: Alles auf null stellen. Wir sind nicht mehr so!“, wie Barbara Stratmann, eine der Initiatorinnen, formulierte.

Die Forderungen der Initiative richten sich gegen Machtstrukturen in der katholischen Kirche. Sie fordert den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats, also das Versprechen, für das weitere Leben die Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu übernehmen, und eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche.

Im Marienmonat Mai, in der Woche vom 11. bis zum 18. Mai 2019, traten Frauen in ganz Deutschland in den Kirchenstreik. In mindestens 50 Orten wurden Aktionen im Rahmen von Maria 2.0 angekündigt. Eine Mahnwache (eine friedliche, gewaltfreie Demonstration) fand am Sonntag, den 12. Mai auf dem Münsteraner Domplatz statt. An dieser Veranstaltung beteiligten sich etwa 700 bis 800 Gläubige.

Zudem unterschrieben mehr als 31.000 Unterstützer eine Onlinepetition, die Ende Mai an Papst Franziskus übergeben werden soll. Unterstützung erhielt die Initiative von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und dem Katholischen Deutschen Frauenbund. Auch römisch-katholische Pfarrer äußerten Zustimmung für das Anliegen von Maria 2.0, etwa der Stadtdechant von Münster. Doch Priester, die sich allzu eindeutig für Gleichstellung engagieren, riskieren Zurechtweisung, einen Karriereknick oder Machtverlust.
Kritik kam zum Beispiel von Kurienerzbischof Georg Gänsewein. In seinen Augen würde die Protestaktion versuchen „die Kirche neu zu erfinden und an ihrer DNA herumzuschrauben.“

Johanna Stöhr aus dem Bistum Augsburg rief die Initiative Maria 1.0 ins Leben, um zu zeigen, „dass es auch Frauen gibt, die treu zur Lehre ihrer Kirche halten.”

Wie geht es nach den Protesten weiter?

Die steigende Zahl von Kirchenaustritten stellt eine Herausforderung an die Katholische Kirche dar. Die Deutsche Bischofskonferenz hat daher beschlossen, die Zahl der Frauen in Leitungspositionen auf 30 Prozent zu erhöhen.
Doch damit ist es nicht getan. Die Frauen überlegen, jeden zweiten Sonntag im Monat deutschlandweit Mahnwachen und Gruppentreffen abzuhalten.
Es sollen zwanglose Dialoggruppen mit Bischöfen gegründet werden, die eine Auseinandersetzung ermöglichen. Zudem soll der Papst seinen weltweiten Einfluss nutzen und ein Signal an die Männer aussenden, dass Frauen die gleiche Würde und dieselben Rechte haben müssen.

Beitrag: Mira Lippuner